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Zur Erinnerung an Leanne Payne

von Gino Vaccaro, MPC

Leanne Payne hat in den über 40 Jahren ihres geistlichen Dienstes einen überragenden Beitrag zum Heilungsdienst  geleistet. Jetzt ist sie am 18. Februar im Alter von 82 Jahren gestorben. Als große „Kämpferin für Christus“, wie der christliche Philosoph Dallas Willard sie genannt hat, gründete sie Pastoral Care Ministries und engagierte sich in der Lehre, im Heilungsdienst und für das Reifwerden und die Mündigkeit der Christen. Sie verfasste sieben weiterhin erhältliche Bücher auf Englisch, die bisher in insgesamt 12 weitere Sprachen übersetzt wurden.

Leanne Payne kam am 26. Juni 1932 in Omaha, Nebraska, als ältere Tochter von Robert und Forrest Mabrey zur Welt. Es waren die Jahre der „Great Depression“, der großen Wirtschaftskrise der USA. Die Zeiten waren hart und wurden für die Familie noch dadurch verschärft, dass ihr Vater an einer plötzlichen Gehirnentzündung verstarb, als sie drei Jahre alt war. Danach zog die Mutter mit Leanne und ihrer jüngeren Schwester zu ihrer Familie nach Little Rock in Arkansas.

Leannes frühe Jahre als Erwachsene waren von mehreren impulsiven und schmerzhaften Entscheidungen bestimmt, was sie schließlich zu einer tiefgreifenden Umkehr führte. Als sie Mitte zwanzig innerlich am Ende war, unterzog sie sich einer umfassenden und dauerhaften Bekehrung zu Christus. Hier begann ihr Lebensstil des konsequenten Gehorsams gegenüber Gott.

Als sie 1963 eine Stelle an einer Studentenunterkunft an der Wheaton Academy in Illinois bekam, begann ihre mehr als 42 Jahre anhaltende Verbindung zu Wheaton mit seinen großen Glaubensvorbildern wie R. A. Torrey, F. B. Meyer, und Dwight L. Moody. Ein Jahr später schloss sie sich dem Gebetskreis von Fr. Richard Winkler an, der als Großvater der charismatischen Erneuerung in der Episkopalkirche gilt. 1965 schrieb sie sich zusätzlich zu ihrer Arbeit als Studentin am Wheaton College ein, studierte bis 1974 sowohl in Wheaton wie an der University of Arkansas, und erwarb einen Bachelor- sowie zwei Magisterabschlüsse.

In den folgenden Jahren verfasste sie ihr erstes Buch, Real Presence: The Christian Worldview of C. S. Lewis as Incarnational Reality. Gleichzeitig unterrichtete sie am Wheaton College und wurde Assistentin von Dr. Clyde Kilby, der die C. S. Lewis-Sammlung am Wheaton College aufbaute (heutiges Marion E. Wade Center). Sie katalogisierte die Briefe von C. S. Lewis an seinem eigenen Schreibtisch; dabei lernte sie viel von C. S. Lewis und ihrem Mentor, Clyde Kilby.

Fr. Winkler war es, der sie schließlich 1973 mit dem Heilungsdienst von Agnes Sanford in Kontakt brachte. Bald half sie dann an deren Schools of Pastoral Care mit. Ab 1976 widmete sie sich vollzeitlich dem Schreiben und dem Heilungsgebet. 1978 zog sie nach Milwaukee, Wisconsin, um und wurde 1981 wissenschaftliche Mitarbeiterin von Henri Nouwen an der Yale Divinity School. In demselben Jahr erschien auch ihr viel gelobtes Buch The Broken Image (dt.: Das zerbrochene Bild/Du kannst heil werden).

1982 gründete sie mit Hilfe von kompetenten Freunden Pastoral Care Ministries. Die neue Organisation verlieh ihrem Leben und ihrem Dienst Struktur, was wiederum ihrer Kreativität zugute kam. Seit dieser Zeit übte sie ihren Gebets- und Seelsorgedienst  hauptsächlich auf einwöchigen Konferenzen, den sog. „Schools of Pastoral Care“ aus, die sie in Nordamerika, Europa, Hawaii und Australien durchführte. In den folgenden Jahren veröffentlichte sie weitere fünf Bücher: Crisis in Masculinity, The Healing Presence, Restoring the Christian Soul, Listening Prayer, und schließlich ihre geistliche Autobiographie Heaven’s Calling (deutsch: Krise der Männlichkeit, Heilende Gegenwart, Verändernde Gegenwart, Dich will ich hören, Herr und Leanne Payne – Autobiographie). Über ihre Autobiographie schrieb Donald Bloesch: „Sie zeigt sehr bewegend auf, wie machtvoll die Autorin vom Geist Gottes als Speerspitze eines Dienstes der Erneuerung und der Freude gebraucht wurde.“ 2008 schließlich wurde die Nachfolgeorganisation Ministries of Pastoral Care gegründet, die es erlaubt, die einwöchigen Konferenzen über ihren Ruhestand hinaus bis heute weiterzuführen.

Leanne war berühmt für ihre Hingabe an Gott, ihre tiefen Einsichten, ihre Schriften über die „Wirklichkeit der Inkarnation“ (dass Gott real und erfahrbar in Menschen lebt), und für ihr Gebet „Come, Holy Spirit!“, das immer wieder zu tiefen Begegnungen mit dem dreifaltigen Gott führte. Wie ihre Mentoren Agnes Sanford und Clyde Kilby war sie von gewinnendem Charakter; in ihr leuchtete etwas von dem „ewigen Kind“ auf, wenn sie immer wieder in Entzücken ausbrach, sei es über ein Eichhörnchen, eine vollkommene Blume oder das Aufscheinen der Gottesebenbildlichkeit bei einem Mann oder einer Frau.

Leanne hinterlässt drei Enkel und vier Urenkel; ihre Eltern Robert und Forrest sowie ihre Schwester Nancy sind ihr bereits vorangegangen.

Im März wird am Wheaton College ein Gedenkgottesdienst stattfinden.

Beiträge sowie finanzielle Unterstützung zur Erinnerung an Leanne Payne sind herzlich willkommen; sie kommen der Verbreitung ihrer Bücher zugute. Beiträge können direkt hier gepostet werden (auch auf Deutsch) oder per Post eingesandt werden an:

Ministries of Pastoral Care
P.O. Box 3792
Peoria, Illinois 61612-3792
USA

 

Abschied von Leanne Payne

von Christa Bernitz, NIS

Wir trauern um Leanne Payne. Am 18.Februar 2015 ist sie zu ihrem Herrn in die Herrlichkeit gegangen, von der sie schon zu Lebzeiten in ihren Büchern und Konferenzen geschwärmt hat.

Sie hatte die unbeschreibliche Gabe ihren Zuhörern diese Herrlichkeit Gottes, die letztendliche Realität, unser eigentliches Zuhause so vor Augen zu malen, als ob es jetzt schon Wirklichkeit wäre. Niemandem gelang es wie ihr, einen ganzen Saal von Konferenzteilnehmern, in Gottes heilende Gegenwart mit hineinzunehmen, um das zu empfangen, was ER in seiner Liebe für uns vorbereitet hat.

Wir werden sie sehr vermissen, aber immer voll Dankbarkeit an sie denken.

Für uns, die wir Teil von „NIS“ (Netzwerk Inkarnation und Seelsorge) sind, heißt es jetzt mehr denn je, den Dienst weiterzuführen und ihr Erbe weiterzutragen.

Ziemlich genau vor 25 Jahren hörte ich den Namen Leanne Payne zum ersten Mal. Mein Mann und ich verbrachten eine Sabbatzeit bei „Jugend mit einer Mission“ in Kona/Hawaii. Dort, an der University of the Nations, war man am Puls des Handelns Gottes weltweit, und die besten internationalen Referenten waren dort zu Gast in den Schulen, deren Vorträge man sich dann auch noch nachträglich auf Kassette anhören konnte.

Man empfahl mir „Leanne Payne“ ! – Da war er, dieser Name, mit dem ich nichts anfangen konnte. Ich hatte nie von ihr gehört, wusste nicht wer sie war – aber na ja, so dachte ich, hören wir erst mal rein!

Das war es dann auch schon! Ihre Botschaft hat mich nicht mehr losgelassen! Ich war zutiefst berührt, und es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass sich schon beim Hören dieser Kassetten mein Leben verändert hat.

Bis dahin war ich immer auf der Suche. Obwohl schon jahrelang Christ und auch geistliche Leiterin, fühlte ich in meinem Innern eine Leere, die in mir die Frage aufwarf: „Ist das denn alles, was Jesus mir zu geben hat? Gibt es denn nicht mehr? Wo bleibt die Fülle des Lebens, die er mir versprochen hat?“

Diese Fragen wurden beim Hören der Botschaften von Leanne beantwortet.

Warum war mir das alles – trotz meines jahrelangen Christseins – nicht schon viel früher aufgegangen? Was ich so dringend suchte, hatte mich bereits gefunden!

CHRISTUS IN MIR!  – Was für eine Offenbarung! Die Erkenntnis, dass Gott selber in mir Wohnung gemacht hat, traf mich wie ein Blitz! Ich begann seine Gegenwart in mir zu „feiern“ und  ER füllte die Leere in meinem Innern und gab mir meine Daseinsberechtigung.

Dieses Leben in Gottes Gegenwart ist seitdem die treibende Kraft in meinem Leben. Gleichzeitig ist es zu meiner Berufung geworden, anderen Menschen davon zu erzählen und sie zu lehren, darin zu leben.

Noch von Hawaii aus luden wir Leanne nach Deutschland ein und veranstalteten 1991 unsere erste Konferenz mit ihr in Schloss Hurlach, einem Zentrum von „Jugend mit einer Mission“ in Süddeutschland. Diese „nicht enden wollende PCM“, an jenem nüchternen, freikirchlich geprägten Ort „ohne jegliche Symbole“ – so Originalton Leanne – wird uns, die wir dabei waren, immer in Erinnerung bleiben.

In der Folgezeit organisierten wir zusammen mit Christiane Mack (ConVita) drei große Konferenzen – 1997 – 1999 – 2004 – in Geseke/Eringerfeld bei Paderborn. Nach und nach formte sich ein Kernteam mit Menschen, denen der Herr es aufs Herz gelegt hatte, die Lehren von Leanne Payne in Deutschland weiterzutragen. So wurde das Netzwerk Inkarnation und Seelsorge gegründet, um Dienste und Menschen zu vernetzen, die dieses Ansinnen teilen.

Leanne Payne hat nun ihr himmlisches Ziel erreicht. Vor meinen inneren Augen ist ein Bild entstanden, das mein Herz vor Freude tanzen lässt:

„Jesus, unser Herr, und Leanne Payne, wie sie gemeinsam aus der Ewigkeit jubelnd all die Früchte betrachten, die wachsen konnten, weil sich eine am Leben gescheiterte junge Frau entschlossen hatte, in absolutem Gehorsam dem Wort Gottes gegenüber zu leben!“

Leanne Payne war für mich und viele andere mehr als ein Vorbild. Sie war und bleibt geistliche Mutter und Mentorin, und eine wunderbare Frau Gottes. Ihre Botschaft lebt in ihren Büchern weiter und in den Herzen der Menschen, die sie gelehrt hat ihre „Kleinheit“ in Gottes Gegenwart zu feiern und ihr „wahres Selbst“ hervorrufen zu lassen.

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Hier geht es zu den Aufnahmen der Vorträge von Leanne Payne auf den deutschsprachigen Konferenzen: Link